VUI Design

Teil 1: Die Rolle von Visual Designer*Innen in 2030 – Der holistische Designanspruch

Bevor wir uns Gedanken über die Zukunft machen, ist es zunächst wichtig den aktuellen Stand im Bereich Visual Design zu durchleuchten. Was ist es, das Visual Designer*Innen im Moment an den Arbeitstischen tun?

Nun, meistens werden wir natürlich für unsere visuell-handwerklichen Fertigkeiten engagiert. Das beinhaltet die Gesamtheit des Kreierens sämtlicher Medien, die eine Marke, die Künstler*innen, ein Buch oder ein Raum auf visueller Ebene an Betrachtende kommuniziert. Darüber hinaus werden wir je nach Ausbildung ebenfalls für unsere markenstrategischen Kompetenzen angestellt.

Wo liegt dabei das Problem? Und warum ist dieser aktuelle Stand im Wandel oder unterliegt sogar dem Anspruch sich zu wandeln?

Die Herausforderungen der reinen Mediengestaltung im Visual Design

 

Das reine Gestalten von Medien kann für Visual Designer*innen sehr herausfordernd sein. Was nämlich dabei passiert, wenn wir einen Design-Prozess einleiten, ist Folgendes: Wir hinterfragen eine bestimmte Thematik auf ihr Grundsätzliches und versuchen dabei eine optimale visuelle Lösung zu finden. Auf diesem Gestaltungsweg generieren wir unzählige Ideen. Ideen, die zwar visuell sein können, sich jedoch auch häufig als interessant für die Gesamtnarrative der Marke herausstellen.

 

Dieser Gestaltungsweg ist also häufig der Beginn einer Gabelung am Ende eines Ideation Processes.

Der holistische Designanspruch heute

Jetzt stehen wir also vor dieser Gabelung mit keiner realen Entscheidungskraft für den einen oder anderen Weg – Wurden wir doch ausschließlich für unser visuelles Handwerk engagiert.

Sprich, vom Kreieren einer ganzheitlichen Kommunikationsdesign-Vision, sind wir nun gezwungen den unausweichlichen Prozess der reinen Mediengestaltung einzuschlagen und jegliche anderweitigen Ideen fallen zu lassen. Wir haben meistens schlicht weg keinen Zugang zu diesem anderen Weg, mit all unseren Kollegen darauf, die emsig daran arbeiten, das Produkt oder den Service ebenfalls immer weiter zu perfektionieren.

Development vs. visual design vs. marketing

So kommen wir schließlich dem Verständnis näher, weshalb das Überdenken der derzeitigen Rolle von Visual Designer*innen von großer Wichtigkeit für den Produkt -oder Service-Entwicklungsprozess ist.

Es ist von immenser Notwendigkeit, dass wir aufhören uns und unsere Mitmenschen immer wieder in statische Schubladen zu stecken. Wir dürfen anfangen Prozesse zu kreieren, die flexibler und organischer beschaffen sind. Prozesse von selbiger Struktur, wie sie auch in unserem Leben wiederzufinden ist. 

/ Julie Kechter

Als menschliches Individuum kommt es vor, dass Sie eine Frau, eine Mutter, eine Liebende und ein Kind sein können – alles zum exakt gleichen Zeitpunkt. Es gibt einfach nicht die Möglichkeit in unserem Leben nur eine einzige Rolle einzunehmen. Warum also würde ich das dann in meiner Arbeit als Visual Designer tun müssen?

Als Visual Designer*innen nehmen wir zwei verschiedene Positionen ein. Wir kommunizieren zum einen auf visueller Ebene, was als Produkt oder Service entwickelt wurde und denken strategisch darüber nach, wie wir es ideal auf dem Markt positionieren können. Das bedeutet, wir sitzen zwischen Development und Marketing (Position der Mediengestaltung).

Allerdings nehmen wir häufig zusätzlich eine weitere Position ein, die sich über den anderen befindet: Die Position einer ganzheitlichen Kommunikation.

Der Visual Designer in der Position der ganzheitlichen Kommunikation.

Was genau tun wir in dieser Rolle? Wir nehmen hier die Perspektive des Betrachtenden ein.

Das bedeutet, wir beobachten die verschiedenen Arbeitsbereiche von einer Metaebene aus und stellen kohärente Zusammenhänge fest. Wir beobachten, ob das Projekt ganzheitlich nach außen kommuniziert und die Markenbotschaft klar und deutlich definiert, sowie umfassend an Endnutzer*innen kommuniziert ist. Wir versichern also eine ganzheitliche Kommunikation eines bestimmten Produktes oder Services.

 

Um dieses Ökosystem des holistischen Designanspruchs zu erschaffen, ist es notwendig, dass mit zuständigen Project Owner*innen über diese spezielle Position der ganzheitlichen Kommunikation gesprochen wird. Manchmal impliziert das unter Umständen auch weitere Beteiligte aus dem Projekt.

Um diese Position, die bisher unbeachtet blieb oder gar übersehen wurde, sichtbar zu machen, dürfen Sie alle Ihre verborgenen Stärken ins Licht rücken. Sie dürfen überzeugend darlegen, warum diese zusätzliche Position nicht nur für das Projekt, sondern auch für Ihren Arbeitgeber*innen einen großen Vorteil bieten würde (Erfahren Sie mehr über die Vorteile für Arbeitgeber*innen in Teil 2: Die Rolle des Visual Designers in 2030 – Der ganzheitliche Designanspruch).

 

Die zukunftsrelevanten Arbeitsexpertisen von Visual Designer*innen

Wie profitiert ein Produkt oder Service von einem holistischen Designanspruch? Indem Sie Visual Designer*innen die Position der ganzheitlichen Kommunikation überlassen, fügen Sie zwei neue überaus relevante Kompetenzen zu Ihrem Team hinzu:

___

Objektives Beobachten

___

Cross-
thinking

Über den anderen Arbeitsbereichen positionieren Sie nun Visual Designer*innen zusätzlich auf einer Metaebene, von der aus diese objektiv beobachten können.
Obwohl Visual Designer*innen weder die vollständige Perspektive von Entwickler*innen, noch von Marketingspezialist*innen haben, müssen wir dennoch stets beide Seiten verstehen können. Wir haben zudem die Fähigkeit, diese verschiedenen Bereiche zu synchronisieren. Visual Designer*innen können und müssen also bereits bei der Mediengestaltung zwischen diesen beiden Bereichen die Anforderungen von Entwicklung und Marketing objektiv beobachten. Warum diese Beobachtungen also nicht auch gleichzeitig kommunizieren und in den Arbeitsprozess miteinbinden?

Warum Objektives Beobachten eine vorteilhafte Kompetenz für mein Team ist.

Indem Sie diese zusätzliche Outside-the-Bubble Perspektive generieren und so Visual Designer*innen erlauben, zwischen den Abteilungen zu kommunizieren, können Sie das volle Potenzial Ihres Projekts ausschöpfen.

Das Entwicklungsteam bleibt nicht länger in der Perfektionierung dessen stecken, was bereits perfekt ist, sondern beginnt, sich ebenfalls auf eine ausgefeilte Customer Journey zu konzentrieren – mit weniger Lücken und Frustration und mehr User-Benefits sowie kürzeren Wegen. Auf der anderen Seite kann das Marketingteam die daraus entstandenen Vorteile hervorheben und die ganzheitliche Vision des Produkts oder Services zur richtigen Zielgruppe lenken.

Auf diese Weise erlangt ihr Produkt oder Service mehr Wertigkeit für Nutzer*innen und macht diese wiederum treuer und willig mit ihrer Marke zu interagieren. So können Nutzende schließlich sogar für Ihre Vision eintreten und Ihrem Unternehmen helfen, noch mehr Menschen zu erreichen.

Cross-thinking, crosslinking im Visual Design

Eine weitere Kompetenz von Visual Designer*innen konzentriert sich ebenfalls darauf, das Beste aus Ihrer Produkt-/Service Idee herauszukitzeln.
Viele Visual Designer*innen sind Cross-thinker. Sie bewahren das Talent, sich ihrem Sujet aus allen Richtungen zu näheren und lassen sich so völlig natürlich von zufälligem, indirekt verknüpftem Content und Themenbereichen inspirieren, welche sie im nächsten Schritt häufig miteinander vernetzen. Dies ermöglicht ihnen innovative und originelle Ideen zu generieren, was wiederum für das Team sowie das Unternehmen den großen Vorteil birgt, Ihr Produkt/Service mit völlig neuen Features auszustatten, die anderweitig vielleicht so nie zustande gekommen wären.

Das Erlangen der Kompetenz des Cross-thinkings für Ihr Team macht Ihre Marke somit noch attraktiver.

Der holistische Designanspruch in 2030 – Von statischen Schubladen zu organischem Wachstum

Wenn wir also nochmal zu der Anfangsidee zurückkommen, flexiblere und organischere Arbeitsprozesse zu kreieren, beginnt diese nun durch alle genannten Vorteile greifbarer zu werden. Es wird deutlich, weshalb es eine so große Notwendigkeit ist, unsere statischen Arbeitsrollen abzustreifen, sie sozusagen zu „entschubladisieren“ und Visual Designer*innen organisch von Beginn an in die Entwicklungsprozesse einzubinden.

Ich sehe zwei Szenarien gerade passieren:

__

Das Statische-Schubladen-Szenario

Entweder wird ein Produkt oder Service entwickelt. Visual Designer*innen kommen später dazu und verpacken alles schön, um es an das Marketing zu geben, die das Format dann versuchen auf dem Markt zu positionieren.

Alle drei Rollen arbeiten hier individuell unabhängig und ohne sich und das Produkt gegenseitig in einem iterierenden Prozess zu entwickeln. Das kann man so machen, das ergibt dann eine medium erfolgreiche, manchmal bisschen schizophren handelnde Marke, denen Nutzer*innen meist ihre Uneinheitlichkeit anmerken.

__

Organisches Wachstum

Oder man setzt alle drei Arbeitsbereiche in einen Topf und lässt eine Produkt-/Serviceidee erwachsen, die noch größer und ganzheitlicher ist und mit ihrem kohärenten holistischen Markendesign eine noch größere Zielgruppe erreicht.

Weshalb Organisches Wachstum eine größere Gesamtwirkung erzielt.

Es ist Kohärenz, die immense Befriedigung im menschlichen Gehirn schafft. Das bedeutet, wenn etwas für uns Sinn macht, dann fühlen wir uns wohl und fassen Vertrauen. Ein kohärentes holistisches Design schafft folglich Vertrauen und Wohlbefinden in Nutzer*innen, was Ihnen den ultimativen Schlüssel zu einem großen Einfluss ihrer Marke gibt.

Ich lade Sie deshalb dazu ein, ganzheitliche Kommunikationsprozesse zu erschaffen, die Arbeitsbereiche kohärent zusammenführen und Visual Designer*innen von Beginn an einbeziehen. Auf diesem Weg erweitern Sie die herausragende Innovationskraft Ihrer Marke und gewinnen das Vertrauen Ihrer potenziellen Kund*innen, was wiederum das Wachstum Ihres Unternehmens steigern wird.

Liebe Manager,
hören Sie also noch heute damit auf, Ihre Visual Designer*innen vor eine Wegentscheidung zu stellen und entschubladisieren Sie Ihre Arbeitsprozesse um den Einfluss zu gewinnen, den Ihre Idee verdient!

Alle Grafiken wurden gestaltet von Julie

Share via